Sonntag, 28. Oktober 2012

Bürgermeisterwahl São Paulo


Heute standen die Stichwahlen in verschiedenen brasilianischen Kommunen an. Deshalb wurden die Partien der Serie A auf einen Salamispieltag verteilt. Aber zunächst möchte ich noch nachtragen, dass Sampaio Corrêa aus São Luís in Maranhão schon am vergangenen Sonntag Meister der vierten Liga geworden ist. Im Finale konnte der Klub aus dem Norden CRAC aus Goiás besiegen.
In der dritten Liga sind dieses Wochenende wichtige Entscheidungen gefallen, denn es wurde der letzte Spieltag der Gruppenfase ausgetragen. Die Play-Offs lauten nun:

Fortaleza – Oeste
Luverdense – Chapecoense
Icasa – Duque de Caxias
Paysandu – Macaé

Jetzt aber zur ersten Liga: Schon am Donnerstag konnte Fluminense seine Tabellenführung durch ein 2:1 über Coritiba verteidigen. Der Verfolger Atlético – MG wird erst am Mittwoch gegen Flamengo den Spieltag vervollständigen.
Wie gesagt, der Grund für diesen Salamispieltag waren die heutigen Bürgermeisterwahlen. Die wichtigste war sicherlich die Entscheidung in Brasiliens größter Stadt São Paulo. Gegenüber standen sich die Kandidaten Fernando Haddad von Lulas Arbeiterpartei PT und José Serra, ehemaliger Präsidentschaftskandidat der Sozialdemokraten PSDB. Das Ergebnis lautet:

Fernando Haddad: 55,6%
 José Serra: 44,4%

Noch etwa eine Woche vor dem ersten Wahlgang lag Haddad auf dem dritten Platz und wäre damit nicht einmal in die Stichwahl gekommen. Jetzt ist er Bürgermeister. Diese Entwicklung ist sicherlich überraschend. PT und PSDB sind in São Paulo traditionelle und fest verankerte Parteien. Wobei erstere traditionell in den armen Vororten gewählt wird und letztere in den schicken zentralen Stadtvierteln.
Auf dem Kongress für Sozialwissenschaften letzte Woche haben mir zwei Doktoranten aus São Paulo Enrico Spaggiari und Giancarlo Machado mehr über den Wahlkampf in São Paulo erzählt. Sie berichteten, dass beide Kandidaten Sport als Werbemittel nutzten. Dabei baute José Serra, als Kandidat der Situation, auf die Struktur des Sportsekretariats und organisierte Sportevents. Sein Team konzentrierte sich in erster Linie auf Skateboarding und andere als jugendlich wahrgenommene Sportarten, um dieses Publikum zu erreichen. Es wurde explizit nicht über Fußball gesprochen. Aber Enrico und Giancarlo waren auf einem dieser Events und sahen eine etwas widersprüchliche Rede von José Serra, in der er nur über Fußball sprach und alle anderen Sportarten ignorierte.
Serra ist berühmt für peinliche Auftritte. So ließ er bei den letzten Präsidentschaftswahlen Heiligenbildchen mit seinem Konterfei verteilen. Dann richtete er sich gegen die Homo-Ehe und Abtreibung. Später wurde öffentlich bekannt, dass seine Frau schon abgetrieben hatte. Diesmal wollte er sich sportlich-jugendlich darstellen und versuchte sich sowohl mit dem Skatebord, als auch beim Fußball. Es folgen die Fotos dieser missglückten Auftritte:



Wer den Schaden hat, muss sich bekanntlich nicht um den Spott sorgen. In kürzester Zeit begannen Photoshop-Versionen der Bilder im Internet zu zirkulieren. Hier einige Beispiele:






Im Gegensatz dazu konzentrierte sich sein Kontrahent Haddad auf den Profifußball und es gelang ihm sogar eine Wahlveranstaltung mit den Präsidenten der drei großen Vereine São Paulos (Corinthians, São Paulo FC, Palmeiras,) zu organisieren. Die Kampagne von Haddad (links) war einfach viel geschickter:


Ich möchte Enrico Spaggiari und Giancarlo Machado für die Informationen und Fotos danken. 

1 Kommentar:

Markus Horn hat gesagt…

Vielen Dank, auch für die wunderbaren Fotos. Ohne deinen Beitrag wären diese Perlen wohl völlig an mir vorbeigegangen!