Freitag, 30. November 2012

Das neue Stadion von Grêmio



Auf der Soccerex war auch das Bauunternehmen vertreten, das die neue Arena von Grêmio in Porto Alegre baut. Dort wird das Beira Rio Stadion des Stadtrivalen Internacional zum WM-Stadion. Aber Grêmio konnte da natürlich nicht zurückstecken und beschloss auf eigene Faust eine Arena zu bauen. Auf der Soccerex war nun ein Model dieses neuen Stadions ausgestellt und man konnte erkennen, dass entgegen des landesweiten Trends, dort hinterm Tor Stehplätze erhalten bleiben. Diese sind für die „Geral“ reserviert.
Geral nennt man in Brasilien die billigen Stehplätze, aber bei Grêmio haben die Ultras diesen Namen übernommen. Die „Geral“ von Grêmio hat vor ein paar Jahren begonnen argentinische Lieder zu übernehmen und so die Sambagesänge aus ihrem Stadion zu verbannen. Zum Markenzeichen wurde die „Lawine“, der Moment eines Tores bei dem alle Fans zum Spielfeldrand hinunterrennen. Die Geral hatte so großen Erfolg, dass die Performance der Fans aller Spiele Grêmios aufgezeichnet wurden und hier  www.ducker.com.br zu bewundern sind. Immer mehr Fanklubs in ganz Brasilien begannen die Lieder der Geral zu kopieren.
Als ihre Mitglieder immer mehr unter Polizeischikanen litten, beschlossen sie massenweise Mitglieder im Verein zu werden, um an die Schlüsselpositionen zu gelangen. Die Fans blasen zum Angriff und begannen ihren Gang durch die Institutionen. Das ist wahrscheinlich einer der Gründe, warum sie es geschafft haben, den Erhalt der Stehplätze durchzusetzen.
Grêmio ist ein absoluter Kultklub. Grund dafür ist sicherlich die sogenannte „Schlacht der Angespannten“ (Batalha dos Afflitos). Es handelt sich dabei um das entscheidende Spiel um den Aufstieg aus der zweiten in die ersten Liga 2005 zwischen Náutico und Grêmio. Náutico musste gewinnen, für Grêmio war ein Unentschieden genug. Das Spiel fand im Afflitos Stadion in Recife statt.
Ich habe das Spiel damals im Fernsehen verfolgt und es wurde zu einem absoluten Krimi. Der Torwart von Grêmio – Galato – wehrte schon in der ersten Halbzeit einen unberechtigten Elfmeter ab. Dann wurde ein Spieler vom Platz gestellt. In der zweiten Halbzeit gab es einen weiteren sehr zweifelhaften Elfmeter, wegen dem die Spieler von Grêmio ausrasteten. Weitere drei Spieler sahen rot und Grêmio war nun nur noch zu siebt auf dem Platz und hatte einen Elfer gegen sich. Das Spiel wurde für etwa 20 Minuten unterbrochen.
Die Ereignisse, die nach Wiederanpfiff geschahen können nur als einmaliges Wunder beschrieben werden. Galato verteidigte erneut den Strafstoß. Die anschließende Ecke konnte abgewehrt werden und führte zu einem direkten Gegenangriff, den ein Spieler von Náutico nur durch Foul beenden konnte. Er sah auch rot. Der fällige Freistoss landete in den Füßen von Anderson, der die Abwehr ausdribbelte und zum 1:0 für Grêmio verwandelte. Der Radioreporter aus Porto Alegre schnappte total über. Zwischen Elfer und Tor lagen 70 Sekunden.
Grêmio konnte das Resultat verteidigen und stieg in die erste Liga auf. Das Spiel wurde zu einem Dokumentarfilm verarbeitet. Hier eine Zusammenfassung des Spiels:


Der Radiokommentar während des Tors von einem Radio aus Porto Alegre ist unbezahlbar!
Im Übrigen wird das neue Stadion am 08.12.2012 mit einem Spiel gegen den HSV eingeweiht. Die Hamburger wurden dazu eingeladen (oder besser unter Vertrag genommen, denn es scheint viel Geld geflossen zu sein), da sie Grêmios Gegner im Weltpokalfinale 1983 waren. Dieser Titel zählt sehr viel in Brasilien.

1 Kommentar:

Alexander Schmidt hat gesagt…

Beeindrückend! Kann man in Spiele auch investieren? Würde ich gerne mit vdr datenraum virtueller machen.