Sonntag, 28. April 2013

Botafogo – Resende, 5:0



Wie schon öfter in diesem Blog erwähnt sind die zwei wichtigsten Stadien Rios -das Maracanã und das Engenhão – im Moment geschlossen. Das São Januário-Stadion von Vasco wurde für Stadtderbys als nicht geeignet erklärt. Deshalb finden die Play-Offs der Riomeisterschaft in dem knapp zwei Stunden entfernten Ort Volta Redonda statt. Dort befindet sich ein 20.000 Zuschauer fassendes Stadion, das 2004 modernisiert wurde.


Und so machte sich unsere Fußballkarawane auf den Weg in  die Stadt der Stahlindustrie. Gleich nach den Serpentinen des Araras-Gebirges gelangt man in den Ort Piraí, wo Ricardo Teixeira stolzer Besitzer einer Farm ist. Wir beschlossen hier im Fischrestaurant „Bar do Peixe“ zu Mittag zu essen. Uns erwartete eine überraschend ausgefeilte Küche. Als Vorspeise bestellten wir klasse Bällchen aus Tucunaré-Fisch, der aus dem Amazonas kommt. Unsere Hauptspeise war ein frittierter Traira-Fisch mit einer Sauce aus der Macadâmia-Nuss, dazu gab es Reis, Kartoffelbrei und Pirão, ein Brei, der aus Maniok und Fischsud gemacht wird. Der Fisch war sehr gut, nur leider die Sauce etwas zu schwer. Bei der Gelegenheit erfuhren wir auch, dass der Ort Piraí ein Zentrum der Macadâmiaproduktion ist.


Mit neuem Wissen und frisch gestärkt legten wir die letzten Kilometer bis Volta Redonda zurück. Die Industriestadt mit ihren 250.000 Einwohnern ist nicht gerade eine touristische Sehenswürdigkeit. An ihrer Hauptstraße befindet sich alle wichtigen Gebäude der Stadt: die Stadtverwaltung, das Stadion und der Hochofen.
Leda und Carol mussten ihre im Internet gekauften Eintrittskarten erst noch an einem Schalter abholen. Als wir dort 40 min vor dem Spiel ankamen, war dieser jedoch geschlossen. Einer der Stewarts informierte uns, dass dieser Schalter nur bis zu einer bestimmten Uhrzeit geöffnet wäre. Nach unseren Protesten bemühte er sich jedoch um eine Lösung des Problems und tatsächlich wurde der Schalter wieder geöffnet. Insgesamt fand ich das Prozedere viel zu kompliziert. Leda benötigte etwa fünf Minuten, um an ihre Karten zu kommen. Wenn eine größere Anzahl Fans im Internet gekauft hätten, wäre der Schalter völlig überlastet gewesen.  



Dann konnten wir endlich ins Stadion gehen, das in einer kitschigen Billigversion moderner Architektur erbaut wurde. Die Haupttribüne wird unter der Woche von Arztpraxen genutzt. Im Stadion sind die Tribünen, trotz fehlender Leichtathletikbahn, unglaublich weit vom Spielfeld entfernt, da eine Straße für Rettungsfahrzeuge gebaut wurde. Und trotz dieses Abstandes wurde ein Käfiggitter um den Platz errichtet, das die Sicht beeinträchtigt. Es handelt sich, um eines dieser widersprüchlichen Resultate des aktuellen Sicherheitswahns. Die Angst vor einem Platzsturm zwingt zum Zaun, der Zaun zwingt zur Straße für Rettungsfahrzeuge, die Straße und der Zaun beeinträchtigen die Sicht in einem angeblich modernen Stadion.


Etwa 6.000 Zuschauer wollten das Halbfinale der zweiten Phase der Riomeisterschaft sehen. Überraschend konnte sich der kleine Verein aus Resende qualifizieren und brachte ein paar hundert Fans mit, die guter Dinge waren. Das legte sich aber bald, denn der Favorit Botafogo führte schon zur Halbzeit mit 3:0. Resende hatte dem nichts entgegen zu setzen und verschoss sogar einen Elfmeter. Man muss sich fragen, wie es Flamengo geschafft hat schlechter als Resende zu sein?


Nach dem 4:0 verließen wir das Stadion, um dem Stau zu entfliehen und zügig nach Rio zurückfahren zu können. Es war klar, dass nichts mehr passieren würde. Im anderen Halbfinale setzte sich ebenso der Favorit Fluminense mit 4:1 gegen Volta Redonda durch. Auch hier muss man sich fragen, wie es Vasco geschafft hat schlechter als Volta Redonda zu sein? Somit stehen sich am nächsten Wochenende Botafogo und Fluminense im Finale gegenüber. Letztere müssen das Spiel gewinnen, um zwei Entscheidungsspiele zu erzwingen. Sollte Botafogo das Finale gewinnen, dann ist die Riomeisterschaft entschieden.

1 Kommentar:

Markus Horn hat gesagt…

Der Käfig und die „Straße" rund um das Spielfeld sind an Absurdität wirlich kaum noch zu überbieten. Auch so kann man Fans motivieren, sich das Spiel lieber im Fernsehen anzuschauen.

Sollte Botafogo den Titel holen, hätte das Orakel, über das Du zum Saisonbeginn geschrieben hast, Recht behalten.