Samstag, 21. Dezember 2013

Frohe Weihnachten!

Mit dem Finale des Weltpokals endet die brasilianische Fußballsaison. Für Atlético-MG, und somit für Brasilien, endete das Jahr mit Schrecken. Selbst der dritte Platz im Weltpokal ist nicht genug: Ronaldinho wurde vom Platz gestellt und ein 3:2 gegen eine chinesische Mannschaft grenzt ans Lächerliche. Brasilien fragt sich: wie wäre ein Finale gegen den Weltmeister Bayern ausgegangen und wo steht der brasilianische Fußball im internationalen Vergleich? Wir werden es 2014 sehen.

Damit wünsche ich meinen Lesern frohe Weihnachten und einen guten Rutsch. Zur Saison 2013, so gegen den 18.01.2014, melde ich mich zurück. Jetzt brauche ich ein paar Tage Urlaub. 

Freitag, 20. Dezember 2013

Brasilianischer Fußballhumor

Ich gebe zu, dass der heutige Post eher was für Leute mit gewissen Portugiesisch-Kenntnissen ist. In Brasilien kam in den letzten zwei Jahren die Mode auf, dass Komödianten ihre Sketche als kurze Videos auf You-Tube veröffentlichten. Einige von ihnen erschufen damit ihre eigenen Seiten und erreichen ein Millionen-Publikum. Mehrere von ihnen thematisieren dabei das Fußballgeschehen und besonders die Vorkommnisse beim Confed-Cup. Einige dieser Komödianten möchte ich heute vorstellen.

Imagina na Copa!

„Stell dir das bei der WM vor!” wurde im letzten Jahr zu einem geflügelten Wort, das man täglich in unangenehmen Situationen, wie Verkehrsstaus oder überfüllten Bussen zu hören bekam. Eine Komödiantengruppe übernahm das Shit New Yorkers Say und produzierte eine Version für Rio. Es werden typische Situationen und Diskurse des täglichen Lebens dargestellt, darunter auch mehrfach das „Stell dir das bei der WM vor!”. Die letzte Szene beschreibt schließlich die gängigen Stereotype der vier großen Klubs Rios:


Dilma

Eines der großen Themen des Confed-Cups war die Homophobie des Kongressabgeordneten Feliciano. Der Komödiant Gustavo Mendes schlüpfte in die Haut von Präsidentin Dilma und versucht mit Anrufen und Ansprachen an die Nation sein Land auf den rechten Weg zu bringen. Am 06. April 2013 rief er/sie Feliciano an. Mit der unsterblichen Argumentation, dass Feliciano ja Feliz Anus, also Glücklicher Anus, bedeuten würde, wollte er Feliciano umstimmen:



Rafucko

Der Komödiant Rafucko hat eine sehr politische Einstellung und nimmt in allen seinen Videos zu einem aktuellen Thema rund um die WM Stellung. In der Rolle des Millionärs Eike Batista, der das Maracanã zum Geburtstag bekommt, gelingt ihm eine Hommage an Chaplins „Der große Diktator“. Es handelt sich um einen international verständlichen Stummfilm:

 

Porta dos Fundos

Der große Name ist jedoch die Komödiantentruppe „Porta dos Fundos“, die zwei Mal wöchentlich einen neuen Sketch veröffentlicht. Während des Confed Cups spielten sie eine köstliche Notsitzung des Regierungskabinetts. Die Präsidentin muss dabei ihren Ministern erklären, dass diese zumindest zeitweise weniger korrupt sein müssen:


Porta dos Fundos hat mehrere Videos mit direktem Fußballbezug:



Mittwoch, 18. Dezember 2013

Atlético/MG – Raja Casablanca, 1:3


Brasilien steht unter Schock: Atlético/MG verliert 1:3 gegen Raja Casablanca bei der FIFA Klub-WM. Damit wird das Team aus Marokko am Samstag auf Bayern im Finale treffen.
Der Weltpokal ist der große Traum eines jeden brasilianischen Spielers und Fans und hat somit eine ungleich höhere Bedeutung als in Deutschland. Ich war im September in Belo Horizonte und die Leute dort haben mich die ganze Zeit gefragt, welche Erwartungen ich hätte und ob Atlético/MG eine Chance gegen Bayern hätte. Nun das werden wir jetzt nicht mehr erfahren.


Dementsprechend ist auch Atlético/MG schon am 09.12. in Marokko angekommen, um sich so perfekt auf den Weltpokal vorzubereiten. Sie sind also heute schon ihren zehnten Tag in Marrakech. Der brasilianische Pressetross ist auch mit angereist und hat zum Beispiel Reportagen über die lokale Küche mit ihren Schafshirnen und -augen gemacht.


Die letzten Ligaspiele wurden mit der Reservemannschaft bestritten. Aber heute gegen Casablanca waren alle Stars auf dem Platz: Ronaldinho Gaúcho, Jô, Josué (ex-Wolfsburg), Tardelli etc. Atlético/MG bestimmte nur in den ersten 30 Minuten das Spiel, kam aber zu keiner nennenswerten Chance. Dann drehte Casablanca auf. Richtig schön kontrolliert und konzentriert wurden die Spielzüge aus der Abwehr heraus aufgebaut. Wenn es lange Bälle gab, dann kamen diese immer an. Zu Beginn der zweiten Halbzeit führte dann so ein langer Ball zum 1:0.


Der wie immer überbewertete und arrogante Ronaldinho Gaúcho viel bis dahin nur durch Fehlpässe auf. Als er seinen berühmten Trick – Elástico, also Gummiband – an der Strafraumgrenze aufführte nahm ihm ein Verteidiger von Casablanca fast gelangweilt den Ball ab. Kurz darauf gab es jedoch einen Freistoß, den Ronaldinho Gaúcho sehr gekonnt verwandelte.
Casablanca ließ sich aber nicht aus dem Konzept bringen und erhöhte durch einen zweifelhaften Elfmeter. In der letzten Minute fiel das entscheidende 3:1, erneut nach einem Konter. Die Fans von Casablanca sorgten schon während des gesamten Spiels für Stimmung, doch jetzt waren sie gänzlich aus dem Häuschen. In Belo Horizonte wurde das Spiel auf einer Großbildleinwand im Stadion gezeigt. Dort sah man nur entsetzte Gesichter.


Nach dem Schlusspfiff sah man noch sehr kuriose Bilder: die Spieler von Casablanca umringten Ronaldinho Gaúcho und umarmten ihn der Reihe nach. Dann begannen sie ihn auszuziehen und nahmen seine Kleidungsstücke als Trophäe mit. Sie hatten nicht nur gegen ihr Idol spielen dürfen, sondern konnten es sogar besiegen.


Am Vortag besiegte Bayern den asiatischen Champions League Sieger Guangzhou aus China mit 3:0. Bei den Chinesen sind zwei Brasilianer und der Argentinier Conca, der ab Januar wieder zu Fluminense zurückkommt, unter Vertrag. Das Spiel war so langweilig und einseitig wie man es erwartet hat. 23:2 Torschüsse und 70% zu 30% Ballbesitz sprechen Bände. Selbst wenn Guangzhou alle seine Torschüsse verwandelt hätte, hätte Bayern noch gewonnen und konnte es sich leisten 20 Schüsse zu vergeben.



Die FAZ hat meines Erachtens einen gelungen Vergleich gemacht: der Weltpokal ist wie eine Weihnachtsfeier auf die man keinen Bock hat, aber aus beruflichen Gründen gezwungen ist, daran teilzunehmen. Es ist eigentlich ein Ehre eingeladen zu sein, aber der sportliche Wert ist äußert fraglich. Die großen Klubs aus Europa und Südamerika können eigentlich nur verlieren. Atlético/MG muss jetzt mit dem Spott leben, ist aber im Übrigen in guter Begleitung. Schon 2010 verlor Internacional aus Porto Alegre gegen Mazembe aus dem Kongo mit 0:2.

Montag, 16. Dezember 2013

Saisonrückblick 2013

Mein Saisonrückblick hat sich etwas verschoben, da ich die Entscheidungen des Sportgerichtes noch abwarten wollte. Eigentlich wäre das große Ereignis der brasilianischen Meisterschaft 2013 nicht in etwa, dass Cruzeiro gewonnen hat, sondern, dass der letztjährige Meister Fluminense abgestiegen ist. Es ist wirklich unfassbar mit anzuschauen, wie eine brillante Mannschaft in ihre Einzelteile zerlegt und verkauft wird. Im Anschluss daran sind die verbleibenden Spieler nicht mehr in der Lage einen Fuß auf den Rasen zu setzen. Fluminense hätte den Abstieg verdient gehabt. 
Aber nach dem letzten Spieltag erschien die Meldung, dass Portuguesa einen Spieler eingesetzt hat, der eigentlich gesperrt war. Heute erklärte das brasilianische Sportgericht Portuguesa für schuldig und sprach einen vier Punkteabzug aus. Damit ist Portuguesa abgestiegen und Fluminense gerettet.
Die gleiche Strafe erhielt Flamengo für den unzulässigen Einsatz eines Spielers. In diesem Fall gab es aber keine größeren Konsequenzen, da Flamengo nicht abstiegsgefährdet war.
Abgestiegen sind dagegen Náutico, Ponte Preta und Vasco. Letztere klagten, ohne Erfolg, gegen die Wertung des Spiels gegen Atético/PR in Joinville mit der Begründung, dass das Spiel wegen der Ausschreitungen länger als 60 Minuten unterbrochen gewesen wäre. Somit steigt mit Vasco ein großer Verein aus Rio ab.
Insgesamt ist die brasilianische Meisterschaft überraschend schlecht für die Vereine aus Rio und São Paulo gelaufen. Diese beiden Bundesstaaten im Südosten stellen fast die Hälfte, nämlich neun, Vereine der ersten Liga. Sie sind normalerweise die ersten Titelkandidaten. Doch 2013 war Alles anders drei der vier Absteiger kommen aus Rio oder São Paulo, unter den ersten sechs Plätzen befindet sich mit Botafogo nur ein Verein aus diesen Bundesstaaten.
Kein einziger Verein aus São Paulo hat sich für die Copa Libertadores qualifiziert. Mit Botafogo und Flamengo konnten sich immerhin noch zwei Mannschaften aus Rio qualifizieren, brauchten dazu aber die Hintertür. Flamengo qualifizierte sich als Pokalsieger nach einer ansonsten völlig verkorksten Saison. Botafogo war die letzte Mannschaft, die den Sprung noch in das internationale Turnier schaffte, aber nur weil Ponte Preta das Finale der Copa Sulamericana verlor. Die restlichen Libertadores-Teilnehmer Brasiliens sind: Cruzeiro (Meister), Grêmio (2.), Atlético/PR (3.), Atlético/MG (Titelverteidiger). Der beste Bundesstaat war damit Minas Gerais, die Heimat von Cruzeiro und Atlético/MG.

Mein Fazit ist, dass sich leider nicht viel im brasilianischen Fußball geändert hat. Die Vereine hängen immer noch zu sehr vom Spielerverkauf ab und können deshalb ihre Mannschaften nicht halten. Das führt dazu, dass Mannschaften die letztes Jahr noch Erfolg hatten, wie der Weltpokalsieger Corinthians (jetzt auf Platz 10) und der Meister Fluminense (jetzt auf Platz 16) so einbrechen. Cruzeiro und Atlético/PR hingegen hatte niemand auf der Rechnung. Es gab in den letzten Jahren eine gewisse Aufbruchsstimmung, die neue finanzielle Möglichkeiten versprach. Ich glaube diese Hoffnung wurde heuer enttäuscht.

Seminar Sportgroßereignisse


Diese Woche war ich auf einem Seminar zum Thema Sportgroßereignisse, dass von Geografen organisiert wurde. Ich fand die Veranstaltung interessant und wollte einige Informationen zusammenfassen. Zunächst gab es ein eher allgemeines Panel bei dem der Geograf Chris Gaffney grundsätzliche Daten zur WM in Brasilien aufführte. Dabei zeigte er, wie sich brasilianische Fußballvereine finanzieren, wie die Eintrittsgelder in den letzten Jahren in die Höhe geschnellt sind und wie sich die Stadionbauten verteuerten:




Im Anschluß stellte sich der Sportjournalist Juca Kfouri die Frage, warum sich Menschen, die in den 1970er Jahren gegen die Militärdiktatur gekämpft haben, wie Lula und Dilma, jetzt mit Mitgliedern dieser Diktatur, wie Marin abbilden lassen. Juca erzählte von einem Treffen mit Lula, bei dem der ehemalige Präsident zu verstehen gab, dass dies Verpflichtungen des Amtes wären.


Am Nachmittag gab es einen sehr interessanten runden Tisch, bei dem Vertreter aus allen 12 WM-Städten anwesend waren und berichteten. Zusammenfassend sind mir folgende Punkte aufgefallen:
-         
In allen Städten wird in erster Linie in ein neues Stadion, in Straßen, oft eine Straßenbahn und den Flughafen investiert.

-          Diese Infrastrukturmaßnahmen konzentrieren sich meist auf reiche Stadtteile und führen vom Flughafen, über eine Hotelgegend zum Stadion.

-          Meist waren die Projekte schon vor der WM-Vergabe geplant.

-          Die Teilnehmer berichteten von über 20.000 Zwangsenteignungen.

-          In allen Städten übersteigen die Kosten bei weitem den ursprünglichen Kostenvoranschlag.

-          Es wird nicht wirklich in den Tourismus investiert.

Ich finde den letzten Punkt sehr interessant, denn es ist mir schon aufgefallen, dass man eigentlich vor Reisen nach Brasilien zur WM warnen muss. Brasilien ist teuer geworden. Zur WM werden regelrecht Wucherpreise in Hotels und für Flüge verlangt. Es gibt auch keine Alternative, denn man kann die Entfernungen von tausenden von Kilometern kaum mit dem Auto oder Bus bewältigen. Brasilien denkt überhaupt nicht an fanfreundliche Angebote wie ein Weltmeisterticket der Bahn oder Fancamps, wie es sie 2006 gab. Man erwartet den reichen Touristen, der zahlen kann.
Das hat Konsequenzen für die lokale Bevölkerung, die sich darauf freuen würde ein paar Cents mit den Touristen zu verdienen. Denn ihre Angebote werden sie in den 5-Sterne Hotels nicht anbringen können. Es werden also wieder nur die Reichen etwas verdienen.
Würde man in eine dringend notwendige allgemeine Tourismusinfrastruktur investieren, dann könnten auch die kleineren Anbieter von so einem Event profitieren. Dazu wurden zwei sehr unterschiedliche Beispiele gezeigt. Zum einen zeigte die Vertreterin aus Cuiabá, dass keinerlei Verbesserungen an den Straßen in das Sumpfgebiet Pantanal durchgeführt wurden. Die Stadt investiert nicht wirklich in ihr touristisches Potential. Dabei war genau das das Argument, um Cuiabá als WM-Stadt aufzunehmen.
Auf der anderen Seite zeigte die Vertreterin aus São Paulo, dass die Stadt schon ein riesiges Tourismusaufkommen hat und zwar mit Events, bei der über eine Millionen Besucher erwartet werden. Zur WM rechnet man nur mit etwa 500.000 Besuchern. Für São Paulo sind also die WM-Touristen unerheblich. Wahrscheinlich würden sogar mehr Besucher kommen, wenn keine WM wäre - ein schon mehrfach beobachtetes Phänomen bei anderen Sportgroßereignissen.


Das Seminar endete mit einigen Professoren aus Deutschland, Südafrika und England, um über internationale Erfahrungen zu sprechen. Der Südafrikaner Chris Bolsman kritisierte dabei die Fanfeste und den Bau eines Hochgeschwindigkeitszuges. Letztere wäre nur für die Reichen und die Fanfeste wären überwachte Räume, um die Bevölkerung zu kontrollieren. Das ist erst einmal überraschend, denn Züge gelten in Deutschland meist als die umweltfreundlichere und günstigere Option und auch die Fanfeste galten als Errungenschaft. Endlich würden Fans ohne Eintrittskarten nicht mehr als der gefährliche Feind gesehen werden, sondern als willkommener Gast. Das war eine positive Änderung. Für mich heißt das, dass Megaevents in verschiedenen Ländern, verschiedene Wirkungen haben.


Das zeigt aber auch, dass es nicht nur innerhalb der Gesellschaften eine soziale Ungleichheit gibt, sondern auch zwischen den Ländern. Brasilien muss sich ständig rechtfertigen, dass es eine WM ausrichten kann. Ähnlich erging es Südafrika. Man steckt in dem Dilemma, dass man Missstände natürlich kritisieren will, aber Länder auch nicht herab lässig behandeln will.



Schließlich zeigte Chris Bolsman die Originalversion von Wacka-Wacka einer Kameruner Band. Kannte ich auch noch nicht. 

Samstag, 14. Dezember 2013

Die Hymne von Cruzeiro

Als Hommage an den diesjährigen Meister Cruzeiro empfehle ich vier Versionen der Vereinshymne. Beginnen wir mit der Originalversion.


Eine der berühmtesten Rockbands Brasilien heißt Skank und kommt aus Belo Horizonte. Die Jungs steuern ihre Version bei.


Es gibt scheinbar von allen brasilianischen Vereinen die Hymne von einem Wellensittich gepfiffen.



Schließlich noch eine moderne Funk-Version. Viel Spaß.

Donnerstag, 12. Dezember 2013

Lanús – Ponte Preta, 2:0


Eine wichtige Entscheidung hat noch gefehlt, um die brasilianische Saison abzuschließen: das Finale der Copa Sulamericana zwischen Lanús aus Argentinien und Ponte Preta. Die Copa Sulamericana ist das südamerikanische Pendant zur Europa League. Außer dem Titel für Lanús bedeutet das Ergebnis auch, dass Botafogo der sechste Brasilianer im nächstjährigen Copa Libertadores ist.


Aber der gestrige Tag war sehr aufregend. Die wichtigste Meldung ist sicherlich, dass sowohl Portuguesa, als auch Flamengo am letzten Spieltag der brasilianischen Liga Spieler eingesetzt haben, die eigentlich gesperrt  waren. Nach brasilianischen Regeln führt dies zu einem Drei-Punkte-Abzug plus einem Abzug der an jeweiligen Spiel gewonnen Punkte, also in beiden Fällen Vier Punkte.
Außerdem zieht Vasco vor das Sportgericht gegen die Wertung des Spiels mit den Ausschreitungen in Joinville. Sollten allen Protesten stattgegeben werden, dann würde Flamengo und Portuguesa absteigen. Vasco und Fluminense wären gerettet. Somit ist plötzlich das Endergebnis der brasilianischen Meisterschaft wieder offen. Die Nachricht führte auf der Seite des Nachrichtenmagazins UOL zu knapp 1.000 Kommentaren in wenigen Stunden. Das kann ja noch spannend werden.

Außerdem regnet es seit gestern sehr stark in Rio de Janeiro. Der Verkehr bricht dann immer teilweise zusammen. In den Morgenstunde fuhr kein einziger Zug den Hauptbahnhof an, mehrere Straßen standen unter Wasser, unter anderem auch die Gegend um das Maracanã. Das zeigt natürlich die Schwächen des lokalen Verkehrssystem. 

Montag, 9. Dezember 2013

Botafogo – Criciúma, 3:0


Zum letzten Spieltag standen gestern noch interessante Entscheidungen an und so versprach der Sonntag ein interessanter Tag zu werden. In der Früh war ich erst einmal zu einer Diskussionssendung bei Radio CBN eingeladen. Gemeinsam mit Kollegen aus England, Spanien, Italien und Frankreich diskutierte ich die Auslosung der WM-Gruppen. Das war sehr spaßig, denn der Moderator räumte auch Themen wie Nachhaltigkeit, Tourismus und den Massenprotesten viel Platz ein. Zum Schluss der Sendung wurden wir gefragt, wer wohl in der brasilianischen Meisterschaft absteigen würde. Die Meinung war einstimmig: die Cariocas Vasco da Gama und Fluminense.


Mit dieser trüben Aussicht traf ich meinen Besuch aus München: Steffi (60!) und Tina und wir machten uns in Richtung Maracanã auf, wo das Spiel Botafogo – Criciúma auf dem Programm stand. Der Gastgeber Botafogo musste das Spiel gewinnen und gleichzeitig auf eine Niederlage von Goiás in Santos hoffen, um noch auf den vierten Platz zu kommen, der die Chance zur Teilnahme an der Copa Libertadores aufrecht erhält. Am Mittwoch wird es das Finale der Copa Sulamericana (eine Art UEFA-Cup) zwischen Ponte Preta und Lanús aus Argentinien geben. Sollte Ponte Preta gewinnen werden sie und nicht Botafogo in die Copa Libertadores einziehen. Criciúma, ein kleiner Verein aus Santa Catarina in Südbrasilien, hingegen durfte nicht verlieren, um dem Abstieg sicher zu entfliehen.


Die wahre Dramatik spielte sich aber in Parallelspielen ab. Fluminense musste in Salvador gegen Bahia gewinnen und war gleichzeitig auf Niederlagen von Vasco gegen Atlético-PR und Coritiba gegen São Paulo angewiesen, um nicht abzusteigen. Sowohl Atlético-PR, als auch São Paulo waren mit Platzsperren belegt und mussten so ihre Heimspiele in den kleinen Orten Joinville in Santa Catarina bzw Itú im Hinterland von São Paulo bestreiten.  


Wir kauften unsere Eintrittskarten und beobachteten die Torcida Organizada von Botafogo, wie sie ihre Fahnen anlieferten. Es wurde eine Choreo in Gedenken an das kürzlich verstorbene Klubidol Nilton Santos vorbereitet. Dann gingen wir unseren Durst im „Gestiefelten Kater“ (Gato de Botas) stillen. In Rio ist es jetzt Sommer und so kann es bis zu 40 Grad heiß werden. Nach der Stärkung kamen wir zurück ins Stadion und stellten uns auf die Seite der Heimfans.


34.000 gut gelaunte Botafogofans waren gekommen, um ihre Mannschaft anzufeuern – eigentlich zu wenig für so ein entscheidendes Spiel. Botafogo zeigte von Anfang an, wer Herr im Hause ist und baute durchgehend Druck auf. Criciúma gelang nur einige wenige Entlastungsangriffe, aber schon in der 9. Minute traf Lodeiro zum 1:0 für Botafogo. Nach unzähligen versuchen erhöhten gegen Ende der zweiten Halbzeit Elias und Seedorf schließlich zum 3:0. Bei Criciúma wurde auch noch João Vitor vom Platz gestellt.


Gleichzeitig wurden immer wieder die Tore von Santos über Goiás vermeldet, insgesamt drei. Damit hatte Botafogo den vierten Platz sicher und die Stimmung der Fans wurde immer besser. Nach Spielende wurden folgende Endergebnisse vermeldet: Bahia – Fluminense 1:2 und São Paulo – Coritiba 0:1. Damit war Coritiba gerettet und Fluminense, der Meister von 2012, abgestiegen. Für Criciúma war nun das Ergebnis von Vasco wichtig. Aber der Stadionsprecher vermeldete: 1. Halbzeit: Atlético-PR – Vasco 2:1. Das Spiel war noch lange nicht zu Ende.


Was war das los? Sollten am letzten Spieltag nicht alle Spiele zeitgleich sein? Warum war dann das Spiel in Joinville noch in der ersten Halbzeit? Als ich daheim war, konnte ich die Nachrichten im Internet nachlesen Vasco verlor 5:1 und ist somit auch abgestiegen. Das Spiel wurde für über eine Stunde wegen Fanausschreitungen unterbrochen. Die Fernsehbilder sind tatsächlich schockierend. Leider ergießt sich die Presse wieder einmal in leeren Worthülsen über die Rowdies, Verbrecher usw und erklärt nicht wirklich was der Auslöser war.
Soweit ich das aus der Ferne beurteilen kann, spielte sich Folgendes ab. Atlético-PR wurde mit einer Platzsperre belegt und wich deswegen nach Joinville aus, eine Stadt, die auch in Südbrasilien liegt. Dort wurde vor wenigen Jahren ein neues Stadion gebaut, das aber brach liegt, da die Vereine aus Joinville nicht die Erwartungen erfüllen. Das kleine Stadion ist aus sicherheitstechnischen Aspekten ungenügend ausgestattet. Scheinbar ist man auf die Situation eines Erstligaspiels nicht vorbereitet und hat keinen Sicherheitsdienst zur Hand. Zu allem Überfluss hat sich dann auch die Polizei geweigert die Sicherheitsaufgaben im Stadion zu übernehmen. Mir scheint es so, dass dieses Verhalten Ähnlichkeiten zu einem Streik hatte, bei dem die Polizei von Stadt und Verein entlohnt werden wollte.
Es gibt hier also handfeste Interessenskonflikte, die fern der Fans sind. Es kommt mir fast so vor, als ob die Polizei auf die Ausschreitungen vertraut hat, um dann als Retter in der Not zu erscheinen. Wichtig erscheint mir dabei auch, dass Atlético-PR aus dem Bundesstaat Paraná kommt, während Joinville in Santa Catarina liegt. Da liegt die Vermutung nahe, dass die Catarinenses etwas Geld von ihrem Nachbarn erpressen wollten.
Die Auseinandersetzungen wurden im Fernsehen übertragen. Die Vasco Fans werden in einem Augenblick an ein Gitter zurückgedrängt und können kaum fliehen. Man sieht, dass viele gerne fliehen würden und es nicht schaffen. Das Video ist wieder einmal eine Werbung gegen Gitter im Stadion. Man sieht tatsächlich minutenlang keine Polizei oder Sicherheitsdienst. Vier Personen wurden ins Krankenhaus gebracht und drei festgenommen. Alle sind aber außer Lebensgefahr.



Jetzt geht natürlich wieder die Diskussion los, was das für die WM bedeutet. Aus meiner Sicht hat eines nichts mit dem anderen zu tun. Das Stadion in Joinville ist kaum mit den WM-Stadien vergleichbar. Das Publikum wird komplett anders sein und die Frage der Aufgabenverteilung der Sicherheitsdienste ist auch geklärt. Es zeigt sich aber auch wieder einmal wie schlecht die brasilianische Polizei vorbereitet ist und nach welchen Gesichtspunkten entschieden wird: Sicherlich nicht fanfreundlich.

Freitag, 6. Dezember 2013

Pack die Badehose ein!

Die Vorrundenspiele der deutschen Nationalmannschaft werden in drei Badeorten im heißen Nordosten Brasiliens stattfinden: Salvador, Fortaleza und Recife. Das ist auf jeden Fall sehr gut für die Fans, die richtig Strandurlaub machen wollen. Salvador ist eine tolle, aufregende Stadt, in der das Leben brodelt. Hier trifft Deutschland auf Portugal. Tagsüber kann man am Strand liegen oder die Altstadt und Museen genießen. Am Abend warten die Bars und Discos mit den heißen Rhythmen Axé, Capoeira und Olodum. Zum afrikanischen Erbe Salvadors gehört eine exotische und reichhaltige Küche mit viel Palmöl. Siehe: http://imlanddesfussballs.blogspot.com.br/2013/06/salvador.html.


Fortaleza ist eine sehr heiße und nicht gerade hübsche Industriestadt an der Nordküste. Prunkstück ist die Flaniermeile am Strand. Zum Essen gibt es hier in erster Linie Innereien. Ghana und Deutschland messen hier die Kräfte. Siehe: http://imlanddesfussballs.blogspot.com.br/2013/06/fortaleza-spanien-italien-00-76-ne.htmlDie Vorrunde wird in Recife gegen die USA abgeschlossen. Recife und besonders die Nachbarstadt Olinda haben wunderschöne historische Innenstädte. Leider ist der Strand haiverseucht. Im Juni wird dort Regenzeit sein, was zu großen Verkehrsproblemen führt, da die Stadt von Holländern unter dem Meeresspiegel gebaut wurde. Siehe: http://imlanddesfussballs.blogspot.com.br/2013/06/recife.htmlAlle drei Städte sind in Brasilien wegen einer erhöhten Kriminalitätsrate bekannt.


Das Beste ist vielleicht, dass Cuiabá, Manaus und Curitiba vermieden werden konnten. Trotzdem wird es sehr heiß und somit werden die Spieler schwierige Gegebenheiten vorfinden. Das Mannschaftsquartier wird nun wohl bei Salvador liegen. Als Gruppenerster geht es dann von Recife in das fast 4.000km entfernte Porto Alegre, ganz im kalten Süden.


Folgender Weg ist für Deutschland vorstellbar:

16. Juni: Salvador. Portugal
1.200km
21.Juni: Fortaleza. Ghana
800km
26. Juni: Recife. USA

Als Gruppenerster:
3.800km!
30. Juni: Porto Alegre
1.500km
04. Juli: Rio de Janeiro
450km
08.07: Belo Horizonte
450km
13. Juli: Rio de Janeiro

Als Gruppenzweiter:
800km
01.  Juli: Salvador
1.500km
05. Juli: Brasilia
1.200km
09. Juli: São Paulo
450km
13. Juli: Rio de Janeiro

Damit kann man eigentlich ganz zufrieden sein. Die deutschen Fans werden ganz verschiedene Seiten Brasiliens kennenlernen. Man sollte eventuell in der Vorrunde in einem zentralen Ort im Nordosten, zum Beispiel Recife, sein Camp aufbauen und dann zur KO-Runde nach Rio de Janeiro umziehen. Zwischen Rio de Janeiro und Belo Horizonte bzw São Paulo kann man mit Bus oder Auto reisen.
Sportlich gesehen sind es ganz interessante Gegner die weder zu schwer, noch zu leicht sind. Deutschland hat eine durchwachsene Gruppe erwischt. Und wenn man an das Achtelfinale denkt, dann ist die kreuzende Belgiengruppe auch nicht zu schwer. Im Viertelfinale könnte dann Frankreich, Argentinien, die Schweiz oder ein Außenseiter warten.

Brasilien hat eine annehmbare Gruppe erwischt, wird aber schon im Achtelfinale fast sicher mit Spanien oder Holland kreuzen. Im Viertelfinale könnte England, Italien oder (oh weh, oh weh) Uruguay warten. Die Schweiz kann sich glaube ich auch nicht über die Gegner beklagen, aber Honduras muss in Manaus besiegt werden. Die Schweizer Fans werden mit Brasilia, Salvador und Manaus sicherlich die spannendste Rundreise erleben.

Vorschau: Auslosung der WM-Gruppen

 „Die FIFA hilft Frankreich.“

Brasilianische Zeitungen berichten diese Woche über die Angst der anderen Länder vor einer sogenannten Todesgruppe, den klimatischen Bedingungen oder den weiten Reisen während der WM. Diese Woche entschied die FIFA, dass der europäische Vertreter in Lostopf 2 ausgelost werden würde und nicht automatisch Frankreich sein wird. Dies wurde bei UOL so kommentiert: „Die FIFA hilft Frankreich.“
Das ist nicht ganz falsch, aber auch nicht ganz richtig. Natürlich hat jetzt Frankreich noch die Chance in Topf 4 zu kommen und somit eine Gruppe mit zwei Europäern und Brasilien oder Argentinien zu vermeiden. Aber im Umkehrschluss kann jetzt auch Brasilien es vermeiden in der ersten Runde gegen Frankreich zu spielen (Die Chance wäre 1:4 gewesen). Frankreich ist ein absoluter Angstgegner Brasiliens. Man muss sich nur an die WMs 1986, 1998 und 2006 erinnern.
Eine Todesgruppe wäre für Brasilien: Holland, Frankreich und Mexiko. Gegen Holland tut man sich traditionell schwer, dazu kommt die Niederlage 2010. Mexiko ist ein kontinentaler Angstgegner, denn bei Turnieren konnte Mexiko 40% der Duelle gegen Brasilien gewinnen. Dazu kommen der Sieg im Olympiafinale in London 2012.
Die Chance auf diese Gruppe wurde jetzt zwar nicht ausgeschlossen, aber zumindest verringert. Man kann davon ausgehen, dass Brasilien dem Losprozedere freudig zugestimmt hat und nicht nur, um Frankreich einen Gefallen zu tun. In brasilianischen Blogs habe ich jetzt schon die Vermutung gelesen, dass die Kugeln verschiedene Temperaturen hätten.
Für Deutschland wird wohl der europäische Gruppengegner der schwierigste werden. Eventuell könnte man sich noch wünschen keinen Südamerikaner zu bekommen und die USA und Mexiko zu vermeiden. Aber eigentlich dürfte selbst hier keine böse Überraschung warten. Zumindest auf dem Papier ist die deutsche Elf klar stärker.

"Die WM ist wie eine Hochzeit"

Noch zu einem anderen Thema: die Kosten der WM und die Verspätung der Bauarbeiten. Der brasilianische Sportminister Aldo Rebelo hat diese Woche die WM mit einer Hochzeit verglichen: „Ich habe noch nie eine Hochzeit gesehen, bei der die Braut nicht zu spät gekommen wäre. Trotzdem ist die Hochzeit nie geplatzt.“ Das führte zu folgender Collage in brasilianischen Blogs:



Oben sieht man den Sportminister und unten denkt sich der FIFA-Generalsekretär Jérôme Valcke: „Er scheint es langsam zu kapieren.“
Das eigentlich interessante daran ist nicht die Begründung für die Verspätung, sondern der Vergleich mit einer Hochzeit. Auch bei diesen „gesellschaftlich vorgeschriebenen“ Festen stehen Fragen im Raum, wie: „Eine Torte mit fünf oder nur drei Stockwerken?, Das Kleid für €1000 oder €5000?, Welches Buffet nehmen wir?“ Es geht um die Kosten. Und jeder der es sich leisten kann, wird zeigen was er hat und die teurere Variante nehmen.

Genauso funktioniert auch eine Fußball-WM. Es ist die große Show, mit der sich Brasilien zeigen will und wenn Deutschland eine Allianz-Arena hat und Peking ein Vogelnest, dann will auch Brasilien klotzen dürfen. Richtig klotzen kann man natürlich nur, wenn die schönen Stadien auch rechtzeitig fertig werden. 

Donnerstag, 5. Dezember 2013

Der Fanguide 2014 geht online!

Morgen werden in Brasilien die Vorrundengruppen Weltmeisterschaft 2014 ausgelost. Wie die Spielorte und Stadien aussehen, wo Tickets erhältlich sind und viele weitere Infos finden deutsche Fans ab sofort auf der Fanguide-Website www.fanguide-wm2014.de.


Mit guten Traditionen soll man nicht brechen, und so wird die Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) auch das Turnier in Brasilien mit einem umfassenden Fanbetreuungsprogramm begleiten – vor Ort im Stadion und in den Spielorten und ab sofort auch schon im Internet. Wenn am Freitag bei der Gruppenauslosung in Costa do Sauípe die Gegner und Spielorte des deutschen Nationalteams bei der Weltmeisterschaft in Brasilien vom 12. Juni bis 13. Juli 2014 feststehen, beginnt die heiße Phase der WM-Vorbereitung. Erst recht für all jene Fans, die eine Reise nach Brasilien planen – und damit vor einigen Herausforderungen stehen: Die WM 2014 findet in einem riesigen Land mit großen Städten, vielfältigen Landschaften und einer nicht immer einfachen Infrastruktur statt. Brasilien 2014 wird ein großes Abenteuer, für die Mannschaft von Jogi Löw ebenso wie für die reisenden Fans.
Mit der Fanguide-Website bietet die KOS wie auch schon bei den vergangenen Turnieren ein Onlineportal mit vielen nützlichen Hinweisen für die Reisevorbereitung, mit Vorstellungen der zwölf Spielorte und Stadien und Geschichten zum Gastgeberland der WM im kommenden Sommer. Natürlich finden sich hier auch sportliche Hintergründe zum Turnier und zur deutschen Mannschaft sowie Infos zur Ticketsituation. Eine perfekte Vorbereitung nicht nur für reisefreudige Fans, sondern auch alle, die die WM zu Hause vor dem Fernseher oder beim Public Viewing verfolgen. Die Inhalte der Website werden von einem kleinen Redaktionsteam gemeinsam mit Brasilienexperten vor Ort zusammengestellt und in den Wochen und Monaten bis zum Turnier laufend aktualisiert.


Die Website www.fanguide-wm2014.de ist Teil des umfassenden Fanbetreuungsprogramms, das nun schon zum elften Mal bei einem großen Turnier stattfindet, vom Deutschen Fußball-Bund finanziert und in enger Kooperation von KOS und DFB organisiert wird. Kernstück des Programms ist die Fanbetreuung vor Ort während des Turniers in Brasilien. Die mobile Fanbotschaft wird an zentralen Plätzen in den Spielorten zu finden sein – dort, wo auch die Fans sind. Ein erfahrenes und sachkundiges Team, das aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Fanprojekte sowie einem Vereinsfanbeauftragten besteht, wird den deutschen Anhängern mit Tipps, Informationen und Hilfestellung zur Seite stehen. Auch die deutsche Auslandsvertretung wird dabei mit tatkräftiger Unterstützung vor Ort vertreten sein. Ebenfalls in Brasilien dabei sein wird unser Fanzine HELMUT, das bei der WM 2010 in Südafrika das Licht der Welt erblickt und sich schnell zu einem treuen Begleiter der deutschen Fans entwickelt hat. Wie bei den Turnieren 2010 und 2012 wird der HELMUT zu jedem Spiel druckfrisch vor Ort produziert und verteilt.


Die Website zur Weltmeisterschaft 2014 – www.fanguide-wm2014.de – ist ein Projekt der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) bei der Deutschen Sport-Jugend (dsj) und wurde beauftragt und gefördert durch den Deutschen Fußball-Bund (DFB).

Mittwoch, 4. Dezember 2013

Rassismus bei der WM-Auslosung?

                                                               Foto: Divulgação

Brasilien ist schon seit Langem im WM-Fieber. Aber die Gruppenauslosung am kommenden Freitag bewegt die Gemüter besonders. Jetzt wurden Rassismus-Vorwürfe gegen die FIFA laut. Der für die Auslosungs-Show zuständige Fernsehsender Globo hatte die dunkelhäutigen Schauspieler Camila Pitanga und Lázaro Ramos vorgeschlagen. Die FIFA hat dagegen ihr Veto eingelegt und stattdessen die hellhäutigen Fernanda Lima und Rodrigo Hilpert ausgesucht. Ganz Brasilien fragt sich jetzt was der Grund dafür ist.
Fernanda Lima hat im Gegenzug ein sehr unglückliches Interview gegeben, indem sie gesagt hat, dass sie nicht versteht, warum sie so angegriffen wird. Sie würde doch immer brav ihre Steuern zahlen. Als ob das Eine etwas mit dem Anderen zu tun hätte!
Jeder Artikel zum Thema provoziert seitdem eine Unzahl an Kommentaren, die meist zeigen, wie wenig sich Brasilien mit seinem eigenen Rassismusproblem auseinander gesetzt hat. Viele leugnen diese Art von Diskriminierung weiterhin. Andere argumentieren, dass dunkelhäutige Moderatoren Brasilien besser repräsentieren würden. Der versteckte Rassismus dahinter, denn es schließt asiatisch-, europäisch und indigen-stämmige aus, ist scheinbar nicht klar.  
Schön wäre es, wenn nach Qualität und nicht nach Aussehen entschieden werden würde und da würde ich persönlich sicherlich Pitanga/Ramos vorziehen.

Es handelt sich aber auch um einen innerbrasilianischen Streit zwischen den Regionen. Während Camila Pitanga aus Rio de Janeiro (Südosten)und Lázaro Ramos aus Salvador (Nordosten), also dem Bundesstaat Bahia, in dem die Auslosung stattfindet, stammen, sind Fernanda Lima und Rodrigo Hilpert in den südlichen Bundesstaaten Rio Grande do Sul und Santa Catarina geboren.